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Chelonis

Karin Lubberich
Susanna Neunast
June Ueno
Holger Zimmermann

Einstellung – fotografische Gesten –

im Château Berts, FuB Weinhandel
Haufeld 2A | 53721 Siegburg
Ausstellungsdauer: 25.11.2010 bis 18.01.2011
Ausstellungseröffnung am Donnerstag, den 25. November 2010 um 19.30 Uhr
Einführung: Anke Schmich, Kunsthistorikerin

Seit September 2008 inszeniert die Bonner galeriesassen regelmäßig Ausstellungen in den Räumen des Château Berts. Am 25. November feiert die Galerie nun schon ihre zehnte Ausstellung unter dem Titel: „Einstellung – fotografische Gesten”. Es sind Bilder von Karin Lubberich, Susanna Neunast, June Ueno und Holger Zimmermann zu sehen.
Die fotografische Geste an sich stellt ein Paradoxon dar, da sich zwei gegensätzliche Zustände in ihr vereinen: die Geste als auszuführende Bewegung und die Fotografie als Mittel zur visuellen statischen Fixierung eines Moments.
Insofern sind die Arbeiten Karin Lubberichs ganz nah am Thema, wenn Sie sich im Bildfindungsprozess selbst nicht nur als Akteur sondern auch als Beobachter involviert, da sie sich selbst als Motiv ablichtet. Dabei erfasst sie ausschnitthaft alltägliche Bewegungsabläufe einzelner Extremitäten oder auch den Bewegungsverlauf ihrer ganzen Person, die in ihrer Unschärfe eine spezifische Haltung bzw. eine allgemeingültige Geste sichtbar macht, wobei auch Umfeld bzw. Hintergrund eine wichtige Rolle in der malerisch anmutenden Bildkonzeption spielen.
Ein spezielles Umfeld präsentiert auch Holger Zimmermann mit seinen Fotografien, in denen die Realität des Zerfalls bildnerisch in Szene gesetzt wird. Zu sehen sind subtil wirkende Räume und Gebäude, in denen Menschen gelebt oder gearbeitet haben und denen trotz ihrer Verwahrlosung eine ganz spezielle Ästhetik eigen ist. Die morbide Schönheit dieser durch Verfall, Vandalismus und Verwitterung geprägten Orte hält Holger Zimmermann mit seinen Einstellungen fest, um den Wandel der Vergänglichkeit zu dokumentieren.
Dokumentarisch erscheinen auch die fotografischen Sequenzen June Uenos, dessen Spiegelungen, Durchblicke und Abendlandschaften folglich durchweg in Schwarz-Weiß aufgenommen wurden und durch die daraus resultierenden Kontraste die Bildatmosphäre steigern. Seine Intention liegt in der Reportage des von ihm persönlich Gesehenen, um das bildlich Erfasste wiederholt sichtbar machen zu können. Die mit der Kamera eingefangenen Spiegelungen setzen der Realität nicht nur optisch sondern auch inhaltlich eine tiefere Bedeutungsebene entgegen.
Auch Susanna Neunast spielt in ihrer Fotoserie „Fascinating Waters” mit der visuellen Realität und den Bedeutungsebenen, die es unter der Oberfläche des scheinbaren Realismus ihrer Werke zu entdecken gilt. Sowohl unter als auch auf der vibrierenden Wasseroberfläche beeindruckt das bewegte Spiel der Lichtreflexe und zieht das Auge des Betrachters in seinen Bann. Die Bezüge zur Malerei sind im fotografischen Werk Susanna Neunasts leicht zu erkennen. Souverän setzt sie in ihrer Bildkomposition die klassischen Gestaltungsprinzipien der informellen Kunst ein, um das Wasser selbst zum Kunstobjekt werden zu lassen.
Somit schließt sich der Kreis in dieser Ausstellung, die die fotografische Geste der vier Protagonisten thematisiert. Diese charakterisiert sich nicht nur durch die manuell gewählten Einstellungen in der Kameraführung, sondern auch durch die inneren Einstellungen der Künstler zum abgebildeten Motiv. Alle vier beweisen bei der Motivwahl einen untrügerischen Blick und ein empfindsames Gespür für Komposition, Farbe und Licht. Weitere Projekte zum Thema Fotokunst sind geplant.