Chelonis

Franz Bahr und Dr. Sascha A. Lehmann (SAXA)

Aufgeblasen und wortgewaltig

Die Galerie Sassen präsentiert vom 11.12.08 bis 15.03.09 Arbeiten der Künstler Franz Bahr und Sascha A. Lehmann (SAXA) im Château Berts in Siegburg.

Siegburg – Man nehme zwei identische Edelstahlbleche, lege sie aufeinander, verschweiße die Ränder luftdicht und pumpe durch ein zuvor installiertes Ventil Luft dazwischen. So einfach klingt das künstlerische Rezept des Skulpteurs Franz Bahr und umso faszinierender sind die immer neuen Ergebnisse, die dadurch entstehen. Die kunsthistorische Besonderheit dieser in ihrer Beschreibung schon fast banal anmutenden Technik aber ist, dass Franz Bahr mit seinen ‚pneumatic sculptures’ der tradierten Bildhauerei eine völlig neue Disziplin hinzugefügt hat. Bevor er Anfang der 1990er Jahre als erster Skulpturen aufblies, entstanden Plastiken, Objekte oder Skulpturen entweder durch Auftragen oder durch Abtragen von Material. Plötzlich erhielten Skulpturen ihr eigentlich Äußeres durch den Prozess der Materialauswahl und des Verschweißens. Der abschließende Akt des Aufblasens diente lediglich dem Sichtbarmachen der dadurch codierten, werkimmanenten Form. Diese postpneumatischen Erscheinungen setzen sich mit ihren teils hochglänzenden, Licht einfangenden und den Raum widerspiegelnden Oberflächen mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander und verändern dabei unser Raumempfinden. Auch die Vorstellungskraft für das Gewicht und die Elastizität der Arbeiten wird herausgefordert. So fällt es förmlich schwer, zu glauben, was man sieht.

Nicht minder einfach machen es dem Betrachter die mehrere Quadratmeter großen Leinwänden des Wortmalers Sascha A. Lehmann (SAXA). Betrachtet man mit einigem Abstand noch vermeintlich grob aufgelöste Schwarzweiß-Fotografien, so entpuppen sich diese bei näherem Herantreten als pure Ansammlung von Buchstaben, die einen weiteren Schritt später bereits ganze, sinnerfüllte Texte offenbaren. Durch unterschiedliche Schriftbildbreiten entstehen bei dem 33-jährigen Künstler Kontraste, die Augen, Gesichter bis hin zu filigranen Gebäudefronten widergeben. Auch hier zweifelt man an der Tatsache, dass sämtliche, ausschließlich durch Worte enstandenen Bilder von Hand entstanden sind. Für den Kölner Lyriker und Maler ist es jedoch die konsequenteste und logistische Art, seine beiden künstlerischen Hauptfelder miteinander zu verbinden, selbst wenn diese bedeutet, über 100 Meter Text pro Bild zu schreiben.

Beim Betreten und Betrachten der Ausstellung in den imposanten Räumlichkeiten der Weinhandlung Fegers und Berts wird schnell deutlich, dass beiden Künstlern das Fragende und Versuchende gemeinsam ist, was sich im steten Ausbau ihrer Technik und der daraus resultierenden Möglichkeiten hinsichtlich Wirkung und Aussage widerspiegelt. Beide suchen und fordern den Dialog, nötigen dabei auch stets zur Bewegung bei der Betrachtung ihrer Arbeiten – körperlich wie auch intellektuell. Das Ergebnis ist bei beiden ein Frage der Perspektive.

Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet in Anwesenheit beider Künstler am 11.12.08 um 19.30 Uhr bei Fegers und Berts im Haufeld 2a in Siegburg statt. Eigens für diese
Ausstellung haben Franz Bahr und Sascha A. Lehmann jeweils eine Edition aufgelegt, die an diesem Abend vorgestellt werden.